Der Kassier und der Lateiner
von Lattacher Günther
Der Kassier erklärt playground nicht irgendwem, sondern seinem ehemaligen Lateinprofessor Bachmüller. Bei den nun diskutierenden Personen handelt es sich also um:
Lattacher Günther, Jurist, Sozialarbeiter, Kassier von playground.
Hubert Bachmüller, Lateiner, Gymnasiumsprofessor i. R., Skeptiker.
P: Was ist playground, junger Freund?
L: playground ist der Verein zur Förderung der interdisziplinären Kreativität!
P: Natürlich! Dieses Credo habe ich bereits auf Ihrer Homepage gelesen. Allein, was bedeutet es?
L: Sofort Herr Professor! Wir verstehen uns als Plattform für junge Kulturschaffende, die über unsere Homepage und unsere Publikationen mehr Menschen auf sich und ihre Projekte aufmerksam machen möchten. Wichtig ist nur, dass dabei unterschiedliche Disziplinen zusammen arbeiten: Der Architekt mit dem Sozialarbeiter, die Künstlerin mit dem Informatiker. Bei Bedarf stellt playground sofern irgend möglich weitere Ressourcen zur Verfügung.
P: Das ist schon alles? Das ist die Förderung, der von Ihnen so genannten interdisziplinären Kreativität?
L: Nun ja, für die Behörde benötigten wir natürlich einen Vereinszweck, der sozusagen unverbindlichste Aussagekraft ausstrahlt und trotzdem den Kern der Sache trifft.
P: Zumindest legen Sie alle ihre Beweggründe offen, junger Mann! Trotzdem muss ich anmerken, dass es dies alles schon gegeben hat und damals war es dazu noch wesentlich origineller. Muss es denn immer Kultur sein? Könnten Sie nicht einfach irgendetwas besetzen gehen und es wäre gut? Meinetwegen führen sie dort ein Improvisationstheater auf! Aber nein, in Österreich muss immer gleich ein dubioser Verein gegründet werden!
L: Verehrter Professor! Wenn sich Studenten, mit zu Beginn diffusen Vorstellungen, zusammenschließen ist es schwer genug einen gemeinsamen Nenner zu finden. Eine gewisse Unverbindlichkeit im Namen kann dabei nicht ausbleiben. Sie haben ja keinen Begriff wie kompliziert es war die Statuten auszuformulieren und wenn Sie glauben, jetzt liegt das Schlimmste hinter ihnen, kommt Irgendwer, kann auch Irgendeine sein, und sagt „gender mainstreaming“. Dann geht die Reise von Vorne los!
P: Schön, dass Sie diesen Punkt erwähnen. Frauen sind in Ihrem Verein allerdings unter repräsentiert.
L: In der Generalversammlung sind momentan tatsächlich weniger Frauen als Männer. Das liegt an einem relativ hohen männlichen Architektenanteil unter unseren Mitgliedern. Wenn wir nicht alle Menschen unabhängig vom Geschlecht aufnehmen würden, die gute Ideen haben und bereit sind gratis zu arbeiten, würden wir Frauen sicher auch in der Aufnahme bevorzugen. Ein großes Anliegen ist uns allerdings die geschlechterparitätische Leitung, die wir auch konsequent umgesetzt haben.
P: Erstaunlich! Sagen Sie, lieber Herr Lattacher, Sie erwarten sich sicher ein geregeltes Einkommen?
L: Ich habe mir zwar schon einmal geschworen, niemals mehr ehrenamtlich zu arbeiten, aber damit unsere Projekte halbwegs ausgeglichen bilanzieren arbeiten wir alle für Gottes Lohn. Stellen Sie sich vor, wir werden mit keinem Groschen öffentlichen Geldes subventioniert! Grundsätzlich soll das natürlich nicht immer so bleiben. Bis jetzt durften wir uns zumindest einer verarmten, aber doch auch abgehobenen Elite zugehörig fühlen und auf allen Festen um Geld für unsere Projekte aufzustellen, konnte ich die Musik aussuchen. Das ist immerhin schon etwas. So zynisch ich als Vereinskassier auch schon geworden bin, meine kulturschaffenden Kollegen freuen sich jedes Mal wieder , wenn sie ein Projekt verwirklichen konnten. So ganz werde ich sie wohl nie verstehen.
P: Ihr Engagement ist dann sicher politische motiviert? Sie erwarten sich später irgendwann zumindest kleinere Pöstchen im öffentlichen Kulturbetrieb oder einen Landesförderungspreis, der mehr auf langjähriger Sympathie der Jury beruht als auf innovativen Ideen?
L: Hier kann ich Ihnen einmal energisch widersprechen. playground ist nicht darauf ausgerichtet für uns Andockmöglichkeiten an politische Parteien oder Jurys voller Kulturbonzen zu schaffen. Wir haben aber selbstverständlich schon politische Projekte umgesetzt: Etwa die öffentliche Geschichtsdiskussion in Gurk. Wir verstehen uns als Demokraten und stehen auf gegen Chauvinismus und Gleichgültigkeit.
P: Entschuldigen Sie junger Mann! Das ist doch etwas plakativ! Wollen Sie nicht auch gegen den Welthunger auftreten? Wer sollte ihre Ziele nicht teilen?
L: Die Ziele sind allgemein formuliert, natürlich. Die Projekte erst konkretisieren sie. In der gerade erwähnten Geschichtsdiskussion wollten wir auf das mehr als problematische Geschichtsbild des Gurker Bürgermeisters und Bundesrats aufmerksam machen. Noch einmal: playground ist parteifrei, oder besser, wir sind unsere eigene Partei und sofern wir ein interessantes Projekt für möglich halten zur Zusammenarbeit mit allen bereit.
P: Das wage ich zu bezweifeln. Viele Ihrer letzten Projekte setzen sich äußerst kritisch mit dem Thema Religion auseinander. Ihr Konsumtempel etwa während des Konsu|m|ist Zyklus und ihr gesamter Beitrag zu „Jenseits von Eden“.
L: Herr Professor! Sie kennen ja anscheinend unsere Homepage. Das freut mich sehr.
P: Sie ist in der Tat ja auch ganz beachtlich. Nur die vielen Rechtschreibfehler stören mich sehr. Weisen sie bitte ihre Verfasser daraufhin!
L: Lieber Professor! Wir wissen oft selber nicht genau, ob es mangelnde orthographische Kenntnisse sind oder eine gewisse im Kultursektor populäre, „kreative“ Schreibweise.
P: Gut, gut! Zurück zu meiner Frage: Mit der katholischen Kirche scheinen sie beispielsweise eine Zusammenarbeit zumindest implizit auszuschließen.
L: Nein, playground hat sich in der Tat letzthin in den zwei von ihnen erwähnten Projekten kritisch gegenüber religiösen Vorstellungen geäußert. Diese Projekte reflektieren aber zuerst die Meinung der beteiligten Kulturschaffenden. Die Meinung von playground wird niemals abschließend gebildet werden können. Sie können sich aber jederzeit auf der Homepage über den nachfolgenden Diskussionsprozess informieren und selbst daran teilnehme. Wenn Sie so wollen ist diese nachfolgende Diskussion die abgebildete Meinung von playground. In unseren Reihen gibt es tatsächlich auch Menschen, die sehr gerne mit der katholischen Kirche zusammen arbeiten würden.
P: Sie wollen sich wieder einmal nicht festlegen, junger Mann!
L: Nein, Herr Professor! Wir scheuen uns allerdings davor verkürzende Urteile zu fällen, sondern sind der Meinung komplexe Probleme kann man nur mit einer entsprechenden, leider auch oft komplexen, Struktur analysieren und versuchen zu verstehen!
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