GAM und playground
von Pichler Gerhard
Aus der Anfrage der TU (Technische Universität) Graz, die Aktion Spielraum des HDA (Haus der Architektur) im GAM (Grazer Architektur Magazin) zu veröffentlichen, entstand folgender Artikel. Aus dem Artikel im GAM (Grazer Architektur Magazin) wurde nichts. Nach der Einreichung kam die Absage - die Aktion und wir seien zu wenig International um das Interesse des Publikums zu erregen.
Auch gut, jetzt hat das Magazin wenigstens genug Platz um alle Publikationen und Bucherscheinungen der Fakultät besser in Szene zu setzen. Da setzt man vielleicht ein paar mehr ab.
>playground< spielt sich auf.
Das Jahr 2003 erzeugte einen extremen Kulturmigrationsdruck in allen Dingen des täglichen Lebens. Und wie nach einem warmen Sommerregen, schossen die Gruppen, die sich dieser Problematik annahmen, wie die Schwammerl aus dem Untergrund.
Und genau diesem Druck, konnten 3 junge Herren, die sich den Unmut gegen Zeichensäle und der laxen Studierendenmentalität bzw. das Textadventure schreiben, auf ihre T-Shirts geheftet hatten, nicht erwehren.
Gegen ihr akademisches Bild der Zeichensäle war die Idee gerichtet. Denn was waren diese Säle heute mehr, als Räume sich zusammenzusetzen, um sich dann nicht auseinanderzusetzen.
Jeder Raum voll gefüllt mit Computern, Kopfhörern und jeder Nutzer entweder nicht da oder in seiner eigenen Kopfhörerwelt unterwegs. Der Zeichensaal ist zu einer Fabrik geworden. Nicht die Entwicklung sondern die Produktion ist wichtig geworden, Vokabel wie Denkfabrik haben sich als Neusprech in unseren Wortschatz geschlichen. Nicht das Denken selbst ist mehr wichtig, sondern nur der verwertbare Teil davon.
Das aber wollten die 3 jungen Herren nicht, sie wollten voneinander profitieren und sie wollten von anderen Disziplinen profitieren.
Ideen wurden geschmiedet und wieder eingeschmolzen.
>playground<, der Name, war die erste stolze Ausbeute. (heute sehen es einige anders). Der Spielplatz, voll mit Geräten, die nur darauf warten benutzt zu werden. Die Gerätschaft (Ideen, Technisches etc.) wird von den Mitgliedern zur Verfügung gestellt und kann von jedem benutzt werden.
Die großen Eigenerwartungen, wussten sie anfangs aber professionell zu Enttäuschen. In zwei Jahren Arbeit brachten sie nicht mehr zustande als eine dürftige Webseite und ihren Apparat zu vergrößern. Zu den Architekten und dem Senior Software Architekten gesellten sich Künstler, eine Fotografin ein Jurist der gleichzeitig Sozialarbeiter ist, noch mehr Architekten und ein Grafikdesigner.
Mittlerweile waren sie zu einer stattlichen 10Schaft herangewachsen.
Aber wie es so schön heißt, Verwirklichung braucht Raum oder Platz, und von beidem hatten sie anfangs nicht genug.
Der Spielraum und das HDA
Das HDA (Haus der Architektur) Graz hatte viele davon, und so sollte auch einer den Studierenden der Architektur zur Verfügung gestellt werden. 60m² war er groß - eine leere Versprechung des Glücks. Aber den meisten wohl zu groß, ein Großteil der Studierenden, die Ausnahme bildeten 2 Gruppen (insgesamt gerade mal 10 Leute), hielten sich von den Bewerbungen fern und sahen spärlich zu wie ihre Kollegen sich abmühten etwas auf die Beine zu stellen.
Viermal wurde der Raum insgesamt zur Verfügung gestellt - 2mal wurde er bespielt, die Ausschreibung war viel versprechend, die Anzahl der Bewerbungen nicht - aber egal, genommen konnte sowieso immer nur einer werden.
So kam es beim ersten Spielraum für jedermann zu interessanten Einsichten dreier StudentInnen, die ein halbes Jahr in Venezuela verbrachten. Präsentiert wurde das ganze mit Musik, Bildern, schnellen Bildern und Gesprächen.
Dann >playground<, im Spielraum02, das Thema Spielen, eine Wortkombination die heute noch Verwirrung zu stiften weiß.
Beim Thema des Spielens wurde besonders ein Abschnitt beleuchtet.
Es war das Spielen des Erwachsenen. Jener Typus Mensch, der in seiner Rationalität diese besondere Fähigkeit der Erkenntnis schon aufgegeben hat. In den Begriffen des Erwachsenen hat das Spielen meist einen negativen Einschlag, da bleibt der „Spieler“ oder das nicht positiver besetzte „verspielt“ sein.
Diese Negativität aufzulösen war Ziel dieser 4 Spielabende.
Den Anfang nahm ein Fußballabend, noch mehr dem Wettkampf als dem Spiele nah, danach kam raumgreifendes Twister und Lego im überdimensionalen Format. Mit 1000 Kisten konnte so dem Spieltrieb nachgegeben werden. Garniert wurde das ganze mit Einzelaktionen, Märchenabend, Liebesbriefapparat, Musicbox, Malen, Seifenblasen, Jonglieren und Theoretischem.
Das Ziel war klar gesteckt, das zwanglose Umgehen mit dieser großen Errungenschaft des Menschen sollte wieder in die „Normalität“ aufgenommen werden dürfen. >playground< stellte das Werkzeug, den Umgang damit musste man sich selbst wieder erarbeiten.
Das HDA gab Studenten erstmals die Möglichkeit mit Projekten an die Öffentlichkeit zu treten. Ein nicht besonders Leichtes für Neue, noch nicht etablierte Gruppen. Und ein deshalb nicht hoch genug anzurechnender Dank für diese Möglichkeit.
Aber auch nach diesem Erfolg ruhten sich die Mädchen und Jungs, Männer und Frauen von >playground< nicht auf ihren Lorbeeren aus. Viele neue Räume kamen und gingen wieder.
Aber das Schlachtfeld der Kultur in Graz ist klein, und zu viele wollen in der ersten Reihe ihren Popo enthüllen, und um das spärliche Publikum buhlen. Leider hat man in der freien Szene nicht das Glück, in ein gebautes Nest, wie es zum Beispiel die Zeichensäle bieten würden, zu schlüpfen. Aber zum Kuckuck, was soll’s.
näheres unter http://www.play-ground.org/Main/Spielraum