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Der Markenmythos


es existieren mitlerweile produkte, deren rechtfertigung, ihrer eigentlichen funktionalität in frage zu stellen ist, da sie diese schlicht und einfach entbehren. es handelt sich dabei also um produkte, deren alleinige funktion die ist, sie aufgrund ihrer markenzugehörigkeit zu besitzen. als beispiel möchte ich ein stück stoff nennen, dass zwar die form eines pullovers hat, sich jedoch nicht zum tragen eignet, da es eben lediglich ein stück stoff ist. die „sinnlosigkeit“ (eigentlich: sinngebung fernab jeglicher funktionalität) dieses produkts spiegelt sich schon in meiner unfähigkeit es zu beschreiben wider: man möge es sich wie einen zweidimensionalen pulli vorstellen, oder die vorderseite eines solchen; er hat keinen rückenteil und dient – ich habe damals extra die verkäuferin befragt – lediglich dem um-die-taille-binden.

für mich stellt dieses produkt eine pervertierte form der mythosbildung dar, das sich somit hervorragend zur veranschaulichung eignet, da es auf die – den blick auf den tatsächlichen existenzgrund verstellende – angebliche funktion überhaupt verzichtet. es existiert nur noch aufgrund des mythos seiner marke.

oder die retro-welle, die teilweise den siebziger jahren nachempfundenen frisuren, der an hippie-blusen angelehnte schnitt der hemden, die glockenhose im so genannten „pre-washed-look“, kombiniert mit der aktuellen mode entsprechendem gürtel und sonnenbrille, ist dieses bild zeuge eines nach dem revival der 50er, 60er, 70er und 80er neu aufkommenden trends, der sich „vintage“ nennt und sich absurderweise selbst als gegenbewegung zu trends im allgemeinen versteht. anhänger dieses trends bezeichnen sich als globalisierungskritische individualisten, was sich dadurch äußert, dass sie sich ihre kleidungsstücke in second-hand-shops „frei von aktuellen modeströmungen“ und nach persönlichen geschmacksvorstellungen aus verschiedenen stilepochen zusammenstückeln.

die tatsache, dass diesen trend längst von diversen modedesignern aufgegriffen wurde, die sich nun mühe geben mode herzustellen die so aussieht als käme sie vom flohmarkt und die – abgesehen von ihrer entlehnung von stilelementen aus anderen Jahrzehnten – auch bereits miteingenähten verschleißerscheinungen (verfärbung, risse, etc.) aufweist, führt diesen „individualismus“ ad absurdum.