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Projektbeschreibung:

Wandelt man durch Städte sind deren Parks die letzten Stätten einer vermeintlichen Natur. Sie aber sind nicht mehr als künstliche Plagiate von etwas, das gemeinhin als Natur bekannt scheint. In diesem kleinen Reich der wohlgestalteten, leicht konsumierbaren Ereignisse aber, begegnet man auf die wunderbarsten Ordentlichkeiten dieser Welt. Es sind dies, die pittoresk aneinander gereihten Floraemigranten namens Beetblumen. Diese dürfen nicht mehr wild, anarchistisch die Wiese (denn die ist einem Rasen gewichen) beschmutzen, nein sie müssen soldatisch aufgereiht und hab Acht unsere Blicke erfreuen und dabei auch noch gut riechen.

>playground< fordert, nicht mehr länger dieser perversen künstlichen Natürlichkeit zusehen zu müssen und bietet als Alternative die ehrliche Künstlichkeit - die Entsprechung des Dingverliebten „Marketing- Charakters.“

Dieser Begriff des „Marketing-Charakter“, wird bereits 1947 von Erich Fromm in einer seiner Abhandlungen über Nekrophilie, einer Analyse unterzogen. In seinem Essay versucht er seine These, die Nekrophilie sei der vorherrschende Charakterzug des 20 bzw. 21. Jahrhunderts zu bestätigen. Dazu Fromm:

Für diesen Marketing-Charakter verwandelt sich alles in Konsumware - nicht nur die Dinge, sondern auch der Mensch selbst, seine physische Energie, seine Fertigkeiten, sein Wissen, seine Meinungen, seine Gefühle, ja sogar sein Lächeln. Dieser Charaktertyp ist historisch gesehen eine neue Erscheinung, denn er ist das Produkt eines voll entwickelten Kapitalismus, in dessen Mittelpunkt der Markt steht.

Bei der Nekrophilie des 21. Jahrhunderts geht es aber nicht sich von Leichen, schlechten Gerüchen oder von Kot angezogen zu fühlen, nein genau das Gegenteil ist der Fall. Alles muss immer klinisch reiner werden. Aseptisch und antibakterielles Waschmittel und Taschentuch, Glas und Stahlfassaden, aber tot ist beides. Und in genau diesen Handlungen wendet sich der Mensch vom Leben ab. Weg von der Natur, weg vom Menschen, weg von sich selbst…er verwandelt alles Leben in Dinge, einschließlich seiner selbst und der Manifestation seiner menschlichen Fähigkeiten der Vernunft, des Sehens, des Hörens, des Fühlens und Liebens. Die Sexualität wird zu einer technischen Fertigkeit (zur Liebesmaschine, zum Fickapparat), […] die Freude, Ausdruck intensiver Lebendigkeit, wird durch Vergnügen oder Erregung ersetzt; und viel von der Liebe und Zärtlichkeit, die ein Mensch besitzt, wendet er seinen Maschinen und Apparätchen zu… und zusätzlich kommt auch noch der „Think Tank“ angerollt um uns ein bisschen platter zu machen.

Der barocke Mensch glaubte die Natur in der Form beherrschen zu können. Jetzt versucht der Mensch die Natur nach seinen Vorstellungen zu „verbessern“. Aus einem Jahr für Jahr zurechtstutzen wurde eine bewusste Züchtung. An allen Ecken und Enden wird die Natur als zu schwach empfunden - sie muss vom Menschen gepflegt, gedüngt, der Samen genetisch verbessert werden um den modernen Ansprüchen zu entsprechen.

Die ehrliche Künstlichkeit unseres Blumenbeetes ist der letzte Schritt einer langen Reihe von wichtigen Entwicklungen, weg von der willkürlichen Natur, hin zu für den Menschen beherrschbaren Situationen. 10000 Gabeln, formschön, haltbar, weiß und pflegeleicht können dem Stadtbild, die entsprechende Modernität zurückgeben die es schon so lange verdient hätte.

Quellen: Erich Fromm, Anatomie der menschlichen Destruktivität, 23. Auflage 1973

Das Bild ist nur ein Symbolbild und entspricht noch nicht der Wirklichkeit