Jenseits von Eden
Ich hab’ immer an den Himmel geglaubt, schon als Kind. Je älter ich werde, desto mehr glaube ich daran, weil der Himmel was sehr Schönes ist. Dort haben alle Leute immer frisch geputzte, weiße Kleider an. Es gibt keinen Schmutz, es gibt keine chemische Industrie, keine Hygiene, weil alles von vornherein sauber und rein ist. Und alles ist leicht und schwebt. Ich freu’ mich schon drauf. Man ist völlig schwerelos, man schwebt über alles hin .Keine Philosophie kann einen mehr betrügen oder über’s Ohr hauen. Der Himmel ist das Ideale. Also, ich bin einer der wenigen ,die wirklich an den Himmel glauben. An die Hölle glaub’ ich nicht. Die ist mir zu schmutzig, zu heiß, zu schwarz, zu grauslich, und der Himmel ist das alles nicht. Und Se sind sicher ein Engel dann in dem Himmel. Ich werd’ auf Sie zufliegen in einem weißen Hemd mit schöner Stickerei drauf. Und wenn das Hemd mir zerreißt, werden Sie mir’s vielleicht wieder flicken, wenn Sie Lust haben dazu, mit dem geeigneten Zwirn, dem Himmelszwirn. Glauben Sie nicht?
Thomas Bernhard, Eine Begegnung. Gespräche mit Krista Fleischmann, Frankfurt am Main 2006

Konzept für „Jenseits von Eden“
Was ist Paradies?
Nehmen wir die Bibel zur Hand, ist das Paradies ein Garten, in seiner Mitte steht der Baum der Erkenntnis. Seit Eva dem verlockenden Angebot der Schlange nicht widerstehen konnte, glauben wir, wir wären bis zu unserem Tode aus diesem schönen Ort vertrieben. Aber erst die Erkenntnis brachte Begrifflichkeiten wie Gut und Böse in die Welt. Nacktheit und Scham. Schmerz und Tod. Und gerade diese sind es, die unser Leben so facettenreich machen. Ohne die Erfahrung des Schmerzes könnten wir niemals Freude empfinden. Ohne den Tod würde das Leben keinen Sinn ergeben. Wie also muss man sich das ewige Leben vorstellen. Wie die Rückkehr ins Paradies, in dem alle Begrifflichkeiten erneut im Staub verschwinden aus dem wir geschaffen wurden. Ist das Paradies der Himmel, ein wirklicher Ort, oder entsteht es im Menschen selbst?

Konzept?
Der Kern jeder Religion ist die Offenbahrung. Jede Religion hat ihre eigene Paradiesesvorstellung, ja sie benötigt sogar eine, um überhaupt einen Reiz auszuüben. Wie aber haben sich die Vorstellungen in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft gewandelt? Welches Medium hat die Wunscherfüllung des Paradieses übernommen. Reflektiert man heute seinen Wunsch vom Diesseitsparadies einfach ins Jenseits. Macht man sich darüber überhaupt Gedanken? Wollen rassistische Katholiken, dass Schwarze in den Himmel kommen? Versteht ein hart arbeitender Manager, dass auch ein Sandler vorm jüngsten Gericht gleich behandelt wird und danach Himmelsbier schlucken darf. >playground< versucht mit seiner Aktion Paradiesvorstellungen zu sammeln und Stereotype vorzuführen.

Mittel?
Aufbauend auf der Theorie, dass das Paradies im Menschen entsteht und deshalb „ortlos“ ist, möchte playground in seiner Aktion es trotzdem lokalisieren und am Hauptplatz die Vorstellung eines sehr vielfältigen Paradieses gestalten, das aber trotzdem immer nur eine Annäherung sein kann.
Gefragt nach ihrer Vorstellung des Paradieses, werden einige Menschen playground Einblick in ihre Vorstellungen gewähren, sie schriftlich oder verbal preisgeben. Die so gesammelten Informationen werden anschließend zu einem „Wortteppich verflochten“. Der Träger ist eine 45cm breite und fast unendlich lange Papierrolle, auf der die Antworten zu einem einzigen Wort verknüpft werden. So ergeben alle Einsichten in die sehr persönliche Paradiesvorstellung eine Annäherung an das eigentliche Paradies. Das Wort als Tor zum Paradies. Ein Wort das am Ende des Tages in einer Art Markierungslinie, die über den Hauptplatz ausgelegt wird, diesen visuell in zwei Hälften teilen wird. Das Paradiesannäherungswort in der Mitte, zwischen Eden und Diesseits. Ist es doch nicht ganz klar örtlich festzumachen, ist das Paradies für manche hier für andere dort…
Als Zusatzaktion wird >playground< stereotype Paradiesvorstellungen mittels Megaphon und mobiler Trennlinie proklamieren. Die scheinbar „falschen“ Leute werden aus der guten Hälfte des Hauptplatzes entfernt. Durch diese Konfrontation sollten die Menschen dazu angeregt werden, den überstrapazierten Begriff des „Paradieses“, zu überdenken und zu hinterfragen. Und Eva wird ein paar Äpfel austeilen.